Wie viel Arbitrage-Gewinn ist mit einem Heimspeicher und dynamischem Tarif realistisch?
Kurz gesagt: Meist bleiben netto nur etwa 0–100 € pro Jahr übrig. Brutto sind es ein paar Hundert Euro, aber der Batterieverschleiß frisst den Großteil wieder auf – und unterhalb eines gewissen Preisunterschieds kostet die Arbitrage sogar Geld.
Das Wichtigste vorab
- Brutto-Arbitrage: grob 150–300 €/Jahr bei einem 10-kWh-Speicher, ~220 Zyklen und 8–16 ct/kWh nutzbarem Spread.
- Verschleiß dagegen: bei ~650 €/kWh Speicherpreis und ~6.000 Zyklen Lebensdauer entstehen ~11 ct/kWh Durchsatzkosten – die den Arbitrage-Ertrag fast vollständig aufzehren.
- Netto bleibt oft nahe null. Der tragende Hebel eines Heimspeichers ist der PV-Eigenverbrauch, nicht die Arbitrage.
So wird gerechnet
Der Bruttoertrag der Arbitrage ist einfach: die pro Jahr durch den Speicher geschleuste Energie mal der nutzbare Preisunterschied (Spread) zwischen günstigen und teuren Stunden.
- Durchgesetzte Energie = Ladezyklen/Jahr × nutzbare Speicherkapazität × Round-Trip-Wirkungsgrad
- Bruttoertrag = durchgesetzte Energie × nutzbarer Spread
Der Fehler in fast allen Überschlägen im Netz: Der Verschleiß fehlt. Jede geladene und wieder entladene Kilowattstunde kostet anteilig Batterielebensdauer. Diese Durchsatzkosten lassen sich beziffern:
- Durchsatzkosten (ct/kWh) = Speicher-Anschaffungspreis ÷ (Zyklenlebensdauer × Kapazität)
- Verschleißkosten/Jahr = durchgesetzte Energie × Durchsatzkosten
Erst Bruttoertrag minus Verschleißkosten ist der ehrliche Netto-Vorteil der Arbitrage. Den Spread sollte man dabei nicht raten, sondern aus echten SMARD-Spotpreisen ableiten – realistisch mit einem Zyklus pro Tag, begrenzt auf das tatsächliche Entladefenster des Speichers und mit einem Ausschöpfungsfaktor unter 100 %, weil perfekte Voraussicht in der Praxis nicht existiert.
Rechenbeispiel: 10-kWh-Heimspeicher
Annahmen: 10 kWh nutzbar, 220 Vollzyklen/Jahr, 92 % Round-Trip, 650 €/kWh Speicherpreis, 6.000 Zyklen Lebensdauer. Durchgesetzte Energie also 220 × 10 × 0,92 ≈ 2.024 kWh/Jahr, Durchsatzkosten (650 × 10) ÷ (6.000 × 10) ≈ 10,8 ct/kWh.
| nutzbarer Spread | Brutto-Arbitrage | Verschleiß | Netto |
|---|---|---|---|
| 8 ct/kWh | ~162 € | ~219 € | −57 € |
| 12 ct/kWh | ~243 € | ~219 € | +24 € |
| 16 ct/kWh | ~324 € | ~219 € | +105 € |
Die entscheidende Größe ist der Break-even-Spread: Solange der nutzbare Spread unter den Durchsatzkosten (~11 ct/kWh) liegt, verliert die Arbitrage nach Verschleiß Geld. Erst darüber bleibt etwas übrig – und selbst dann in einer Größenordnung, die den Kauf eines Speichers allein nicht trägt.
Was diese Rechnung ehrlich macht
- Perfekte Voraussicht gibt es nicht. Der aus Spotpreisen abgeleitete Spread ist bereits gegen die Perfect-Foresight-Illusion gedämpft; ungedämpfte Werte überschätzen den Ertrag deutlich.
- Regulatorisches Risiko. Die AgNes-Reform der Bundesnetzagentur könnte reine Arbitrage ab etwa 2030 über dynamische Netzentgelte belasten – der Hebel ist über die Speicherlaufzeit nicht garantiert.
- Ein Speicher, zwei Aufgaben. Wer denselben Speicher für PV-Eigenverbrauch und Arbitrage nutzt, kann beide Erträge nicht voll addieren – sie konkurrieren um dieselben Zyklen.
- Alle Zahlen sind Modellergebnisse bei den genannten Annahmen und verschieben sich mit Zellpreis, Zyklenlebensdauer und Spread.
Häufige Fragen
Ab welchem Spread lohnt sich Arbitrage überhaupt? Wenn der nutzbare Spread die Durchsatzkosten übersteigt – im Beispiel oben etwa 11 ct/kWh. Darunter kostet die Arbitrage nach Verschleiß netto Geld.
Ist Arbitrage der Hauptgrund für einen Heimspeicher? Nein. In der Regel trägt der PV-Eigenverbrauch den Löwenanteil des Vorteils; Arbitrage ist ein Zusatz, kein Fundament.
Verdiene ich mit einem größeren Speicher mehr? Mehr Kapazität skaliert Bruttoertrag und Verschleiß gleichermaßen. Entscheidend bleibt der Spread gegenüber den Durchsatzkosten, nicht die Größe allein.
Von Kai Euteneuer · Veröffentlicht 2026-08-10 · zuletzt aktualisiert 2026-08-10 · Rechne deinen eigenen Fall durch