Wie viel Arbitrage-Gewinn ist mit einem Heimspeicher und dynamischem Tarif realistisch?

Kurz gesagt: Meist bleiben netto nur etwa 0–100 € pro Jahr übrig. Brutto sind es ein paar Hundert Euro, aber der Batterieverschleiß frisst den Großteil wieder auf – und unterhalb eines gewissen Preisunterschieds kostet die Arbitrage sogar Geld.

Das Wichtigste vorab

So wird gerechnet

Der Bruttoertrag der Arbitrage ist einfach: die pro Jahr durch den Speicher geschleuste Energie mal der nutzbare Preisunterschied (Spread) zwischen günstigen und teuren Stunden.

Der Fehler in fast allen Überschlägen im Netz: Der Verschleiß fehlt. Jede geladene und wieder entladene Kilowattstunde kostet anteilig Batterielebensdauer. Diese Durchsatzkosten lassen sich beziffern:

Erst Bruttoertrag minus Verschleißkosten ist der ehrliche Netto-Vorteil der Arbitrage. Den Spread sollte man dabei nicht raten, sondern aus echten SMARD-Spotpreisen ableiten – realistisch mit einem Zyklus pro Tag, begrenzt auf das tatsächliche Entladefenster des Speichers und mit einem Ausschöpfungsfaktor unter 100 %, weil perfekte Voraussicht in der Praxis nicht existiert.

Rechenbeispiel: 10-kWh-Heimspeicher

Annahmen: 10 kWh nutzbar, 220 Vollzyklen/Jahr, 92 % Round-Trip, 650 €/kWh Speicherpreis, 6.000 Zyklen Lebensdauer. Durchgesetzte Energie also 220 × 10 × 0,92 ≈ 2.024 kWh/Jahr, Durchsatzkosten (650 × 10) ÷ (6.000 × 10) ≈ 10,8 ct/kWh.

nutzbarer Spread Brutto-Arbitrage Verschleiß Netto
8 ct/kWh ~162 € ~219 € −57 €
12 ct/kWh ~243 € ~219 € +24 €
16 ct/kWh ~324 € ~219 € +105 €

Die entscheidende Größe ist der Break-even-Spread: Solange der nutzbare Spread unter den Durchsatzkosten (~11 ct/kWh) liegt, verliert die Arbitrage nach Verschleiß Geld. Erst darüber bleibt etwas übrig – und selbst dann in einer Größenordnung, die den Kauf eines Speichers allein nicht trägt.

Was diese Rechnung ehrlich macht

Häufige Fragen

Ab welchem Spread lohnt sich Arbitrage überhaupt? Wenn der nutzbare Spread die Durchsatzkosten übersteigt – im Beispiel oben etwa 11 ct/kWh. Darunter kostet die Arbitrage nach Verschleiß netto Geld.

Ist Arbitrage der Hauptgrund für einen Heimspeicher? Nein. In der Regel trägt der PV-Eigenverbrauch den Löwenanteil des Vorteils; Arbitrage ist ein Zusatz, kein Fundament.

Verdiene ich mit einem größeren Speicher mehr? Mehr Kapazität skaliert Bruttoertrag und Verschleiß gleichermaßen. Entscheidend bleibt der Spread gegenüber den Durchsatzkosten, nicht die Größe allein.


Von Kai Euteneuer · Veröffentlicht 2026-08-10 · zuletzt aktualisiert 2026-08-10 · Rechne deinen eigenen Fall durch