Lohnt sich PV-Direktvermarktung für kleine Anlagen?
Kurz gesagt: Für kleine Dachanlagen unter 25 kW lohnt sich die Direktvermarktung derzeit kaum. Die Erlöse aus dem Börsenverkauf werden von den Dienstleister- und Messkosten fast vollständig aufgezehrt. Der eigentliche Wert einer PV-Anlage liegt weiter im Eigenverbrauch, nicht im Verkauf des Überschusses.
Das Wichtigste vorab
- Die feste 20-jährige Einspeisevergütung soll für neue Anlagen ab 2027 wegfallen (EEG-Novelle, vom Bundeskabinett Ende Juli 2026 beschlossen, Inkrafttreten zum 1. Januar 2027 geplant, Beratung in Bundestag und Bundesrat im Herbst 2026). Bestandsanlagen und alle bis Ende 2026 ans Netz gehenden Anlagen behalten ihre volle Vergütung.
- Vorgesehener Übergang: bis zu 36 Monate abgesenkte Einspeisevergütung, danach für Anlagen unter 25 kW ein Direktvermarktungsbonus von 1,5 ct/kWh für bis zu 48 Monate. Eine Marktprämie ist für dieses Kleinsegment nicht vorgesehen.
- Rechenbeispiel einer aktuellen Studie (10-kW-Anlage, 10-kWh-Speicher): Vermarktungserlös rund 250 €/Jahr, davon Dienstleisterkosten rund 160 € — die verbleibenden ~90 € decken nicht einmal digitalen Zähler und Steuerungseinrichtung. Die Amortisationszeit steigt gegenüber der festen Vergütung von etwa 15,6 auf 24 Jahre.
Was Direktvermarktung überhaupt ist
Bei der Direktvermarktung wird dein Solarüberschuss nicht mehr pauschal vergütet, sondern über einen Dienstleister an der Strombörse verkauft. Du bekommst den jeweiligen Börsenpreis für die eingespeiste Kilowattstunde — mal mehr, mal weniger, in sonnigen Mittagsstunden mit negativen Preisen sogar nichts. Handeln an der Börse dürfen nur zugelassene Marktteilnehmer, deshalb brauchst du zwingend einen Direktvermarkter, der dafür eine laufende Gebühr nimmt.
Warum sich das bei kleinen Anlagen (noch) nicht rechnet
Die Rechnung ist ernüchternd und liegt allein an der Größenordnung. Ein durchschnittliches Hausdach speist über das Jahr einen begrenzten Überschuss ein. Der daraus erzielbare Börsenerlös bewegt sich im niedrigen dreistelligen Bereich — und die Fixkosten fressen ihn auf: die Gebühr des Direktvermarkters, ein digitaler Zähler und eine Steuerungseinrichtung, die für die Vermarktung vorgeschrieben sind. Bei einer typischen 10-kW-Anlage bleibt nach Abzug all dessen praktisch nichts übrig, das zur Refinanzierung der Investition beiträgt.
Hinzu kommen zwei geplante Einschnitte, die die Wirtschaftlichkeit weiter drücken: eine dauerhafte Begrenzung der Einspeiseleistung auf 50 Prozent der installierten Leistung und eine Smart-Meter-Pflicht für Anlagen über 2 kW.
Wo der Hebel wirklich liegt
Nicht im Verkauf, sondern im Nicht-Kaufen. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom von rund 33 bis 38 ct — ein Vielfaches dessen, was der Börsenverkauf einbringt. Genau deshalb verschiebt der Systemwechsel das Kalkül in Richtung Eigenverbrauch, Batteriespeicher und flexible Verbraucher wie Wärmepumpe oder Wallbox. Die Direktvermarktung ist für kleine Anlagen bestenfalls ein Zusatz auf den Überschuss, der nach dem Eigenverbrauch übrig bleibt — kein Fundament der Wirtschaftlichkeit.
Was ehrlich bleibt
- Das Gesetz ist noch im Verfahren. Der Entwurf durchläuft im Herbst 2026 Bundestag und Bundesrat; Details wie die genaue Höhe der Übergangszahlung können sich noch ändern. Was hier steht, ist der Stand des Kabinettsentwurfs.
- Anbieter rechnen optimistischer. Direktvermarkter argumentieren, dass sich mit intelligenter Steuerung und dynamischem Tarif künftig mehr verdienen lässt als mit dem alten Modell. Das ist möglich, aber unerprobt und hängt an Steuerungskosten und Börsenpreisen, die niemand garantieren kann.
- Die Größe entscheidet. Ab etwa 25 kW ändert sich das Bild, weil dann die geförderte Direktvermarktung mit Marktprämie greift — für die meisten Hausdächer aber keine Option, weil die Fläche fehlt.
Häufige Fragen
Ab wann lohnt sich Direktvermarktung überhaupt?
Nach heutiger Kostenstruktur erst bei größeren Anlagen. Für kleine Dachanlagen unter 25 kW liegen die Dienstleister- und Messkosten in der Größenordnung der Erlöse, sodass netto kaum etwas übrig bleibt. Erst wenn die Vermarktungserlöse die festen Kosten (Dienstleister, digitaler Zähler, Steuerung) deutlich übersteigen, trägt das Modell.
Brauche ich für die Direktvermarktung einen Dienstleister?
Ja. An der Strombörse handeln dürfen nur zugelassene Marktteilnehmer. Als Privathaushalt beauftragst du einen Direktvermarkter, der deinen Strom verkauft und dafür eine Gebühr nimmt. Genau diese Gebühr ist bei kleinen Anlagen der Grund, warum netto wenig bleibt.
Was passiert mit meiner bestehenden Anlage?
Anlagen, die vor dem 1. Januar 2027 in Betrieb gehen, behalten ihre feste Einspeisevergütung über die volle Laufzeit von 20 Jahren. Der Systemwechsel trifft nach dem aktuellen Entwurf nur Neuanlagen ab 2027.